Wie die Konjunktur den Aktienkurs beeinflusst
Es ist offensichtlich, dass man Aktien möglichst günstig kaufen möchte, um sie dann lange (möglichst für immer) zu halten oder zu einem höheren Preis zu verkaufen. Dabei sind Aktien in einem der Konjunktur abhängig. Der Einfluss auf die Unternehmen ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Dies hängt mit den Geschäftsfeldern zusammen, die die jeweiligen Aktiengesellschaften bearbeiten oder bearbeiten wollen. Um die typischen Phasen einer Konjunktur zu erklären, wollen wir im Folgenden einen kurzen volkswirtschaftlichen Exkurs einlegen. Die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes lässt sich in die 4 Konjunkturphasen Aufschwung, Hochkonjunktur (Boom), Abschwung und Rezession unterteilen.
Kennzeichen des Aufschwungs
Der Aufschwung ist durch eine allgemein zunehmende Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen gekennzeichnet. Diese Nachfrage wollen die Unternehmen befriedigen und steigern Ihre Produktion. Durch die verbesserte Auslastung der Produktionskapazitäten sinken die Stückkosten. Dies liegt unter anderem am Ausnutzen der Kostenerfahrungskurve. Aufgrund der anziehenden Nachfrage investieren die Unternehmen vermehrt in Produktionsfaktoren wie Personal, Maschinen und Rohstoffe, um ihre Produktionskapazitäten zu erhöhen. Um diese Investitionen zu tätigen, fragen die Unternehmen vermehrt Kredite nach. Die Preise steigen und die Gewerkschaften fordern mehr Lohn für die Arbeitnehmer, so dass die Löhne ansteigen. Da die Inflationsrate ansteigt, wird die Europäische Zentralbank die Leitzinsen anheben, so dass sich Kredite langsam verteuern. Die positiven Nachrichten führen dazu, dass die Aktienkurse steigen.
Kennzeichen der Hochkonjunktur
Nach dem Aufschwung kommt die Hochkonjunktur. Diese kennzeichnet sich durch eine Vollauslastung der Produktionskapazitäten. Dies kann zu Lieferengpässen führen. Die Preise und Löhne haben ihren Höchststand erreicht. Dadurch sind auch die Produktions- und Stückkosten gestiegen. Bei den Unternehmen steigen die Gewinne nur noch wenig oder stagnieren. Das Zinsniveau ist hoch. Um die Inflation zu dämpfen erhöht der Staat die Unternehmenssteuern und kürzt die Subventionen. Gleichzeitig erhöht die EZB die Leitzinsen, wodurch die umlaufende Geldmenge verringert wird. Die Aktienkurse fangen an langsam zu sinken.
Kennzeichen des Abschwungs
Die Konjunktur hat ihren Zenit überschritten und es beginnt die dritte Phase, der Abschwung. Die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen geht merklich zurück. Auch die Auftragseingänge sinken. Dieser Nachfragerückgang führt zu einem Sinken des Preisniveaus. Durch einen Anstieg der Kosten verringern sich die Erträge der Unternehmen. Es finden sich keine Abnehmer mehr, so dass sich die Lager füllen. Die Produktion verringert sich, so dass weniger Arbeitnehmer benötigt werden. Viele Firmen melden Kurzarbeit an und trennen sich von Mitarbeitern, vornehmlich Leiharbeiter. Die Anzahl der Firmenpleiten nimmt zu. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, beschließt die Regierung Konjunkturpakete. Diese können beispielsweise Steuersenkungen, erhöhte Subventionen oder ähnliches sein. Die Aktienkurse sinken weiter.
Kennzeichen der Rezession
In der letzten Phase des Konjunkturzyklus befindet sich die Volkswirtschaft in der Rezession. Die Stimmungsbarometer der Konsumenten und Unternehmen ist fast auf dem Tiefpunkt. Immer mehr Firmen müssen Insolvenz anmelden. Die Arbeitslosigkeit ist auf einem hohen Niveau angelangt. Die Nachfrage aus dem Aus- und Inland ist niedrig. Als wichtiger Auftraggeber betätigt sich der Staat. Das Zinsniveau ist sehr niedrig um einer möglichen Deflation entgegenzuwirken. Die Aktienkurse haben ihren Tiefststand durchlaufen und beginnen wieder zu steigen. Sie nehmen den kommenden Konjunkturaufschwung vorweg.
Hinweise zum Zyklusmodell
Bei diesem Zyklusmodell kann man zwar anhand einiger Indikatoren die jeweilige Phase ungefähr bestimmen in der sich eine Volkswirtschaft befindet. Die zeitlichen Grenzen sind aber unscharf. Leider hat man auch nur Prognosen wie lange die einzelne Phase andauert und die Nächste anfängt. Jedes Unternehmen wird von der Konjunktur unterschiedlich stark beeinflußt. Man kann den Einfluss der Konjunktur in zwei Arten von Branchen unterscheiden. Diese Unterscheidung ist nur sehr grob. Auf der einen Seite gibt es zyklische oder konjunktursensible Wirtschaftszweige, deren Umsatz- und Gewinnentwicklung stark von der konjunkturellen Situation abhängen. Auf der anderen Seite gibt es die konjunkturresistenten oder nicht-zyklischen Unternehmen, die nicht so stark von der konjunkturellen Gegebenheit abhängig sind. Es empfiehlt sich ein Blick auf die Branchenübersicht, in der die einzelnen Branchen kurz vorgestellt werden.